Geschichte und Herkunft

Besucher der weltweit größten Hundeausstellung, der englischen „Crufts“, können dort im Katalog für den Golden Retriever die folgende Ursprungserläuterung finden:

Über den Ursprung des Golden Retrievers besteht weniger Unklarheit als bei den meisten anderen Retrieverarten, denn es steht fest, dass diese Rasse von dem ersten Lord Tweedmouth im vergangenen Jahrhundert herangezüchtet wurde. Diese Tatsache geht aus sorgfältig geführten Zuchtbüchern und Aufzeichnungen hervor, die im Jahre 1952 von Lord Tweedmouths Großneffen, dem Earl of Ilchester, entdeckt wurden.

Die Legende von den russischen Hunden

Bis zum Jahr 1952 (in diesem Jahr tauchten die lange verschollen geglaubten Zuchtbücher von Lord Tweedmouth auf) war der genaue Ursprung des Golden Retrievers ein farbenreiches Mysterium.

Sir Dudley Coutts Marjoribanks

Gerüchte besagten, dass Sir Dudley Coutts Marjoribanks von Guisachan, Invernessshire, Schottland – der spätere erste Lord Tweedmouth -, sechs bis acht russische Zirkushunde von einem Wanderzirkus in Brighton gekauft hätte, er sie untereinander verpaart habe, und dass deshalb genau diese Hunde die Ahnherren des heutigen Golden Retrievers seien.
Tatsache ist aber, dass es keinerlei Nachweis gibt, dass Sir Dudley je irgendeine Art russischer Zirkushunde in seinem Zwinger beherbergte.
Trotzdem wurden diese Hunde bis 1952 als Vorfahren der Rasse kolportiert.

So stellte ein Colonel Le Poer Trench seine Hunde bis 1914 als „Russische Retriever“ aus.

Die Wahrheit

Wie fast jeder Angehörige des schottischen Landadels war auch Sir Dudley Jäger und besaß daher eine Menge Jagdhunde (darunter Setter, Spaniels, Pointer, Deerhounds und  Beagles).

Jagdgesellschaft vor Guisachan in den 1890ern mit Pointern und vier Retrievern

Er hatte 1854 den stattlichen Landsitz „Guisachan House“ im Norden Schottlands in der Nähe von Loch Ness gekauft, züchtete unter eigenem Zwingernamen, tauschte die besten Hunde seiner Zucht mit Bekannten und Verwandten und lud zu jährlichen Jagden ein. Außerhalb der Jagdsaison lebte er in London; die Kinder wurden standesgemäß in Brighton erzogen.

Nous mit Wildhüter Simon Munro

Hier in Brighton begegnete er 1865 bei einem Strandspaziergang mit seinem Sohn dem einjährigen gelben Rüden „Nous“ (gälisch: „Weisheit“). Dunkle Retriever waren bekannt, ein gelber Retriever jedoch war nahezu eine Sensation. Ob es die Farbe war, die den begeisterten Jäger faszinierte oder ob ihn der Ehrgeiz gepackt hatte, einen genau für ihn passenden Jagdhund zu züchten, ist nicht bekannt. Sir Dudley, der 1880 in den Titel Lord Tweedmouth erhoben wurde, verliebte sich jedenfalls spontan in den jungen Rüden. Wie sich herausstellte, hatte der Besitzer, ein Schuster aus Brighton, diesen Hund als Bezahlung von dem Wildhüter John Hull erhalten, der auf dem Gut des Lord Chichester arbeitete, welcher ein Züchter von Wavy Coated Retrievern war.
Wie aus den 1952 veröffentlichten Zuchtbüchern von Sir Dudley hervorgeht, war „Nous“ der einzige gelbe Welpe in einem Wurf schwarzer Wavy Coated Retriever-Welpen – eigentlich eine Fehlfarbe. Papiere hatte „Nous“ keine, das war zu dieser Zeit nicht üblich.

Vermutlich aber war „Old Bounce“, die Stammmutter der Flatcoated Retriever, eine Schwester von „Nous“.

Wavy Coated Retriever

Die Wavy Coated Retriever waren aus den St. John`s Dogs, einer Rasse, die in Neufundland für ihre Wassertauglichkeit bekannt war und eingesetzt wurde, um Schiffstaue aus dem Wasser zu holen, und gut apportierenden Settern hervorgegangen. Durch weiteres Einkreuzen von Collies entstanden die Wavy Coated Retriever.
Sir Dudley wurde mit dem Besitzer handelseinig, kaufte den Rüden und brachte „Nous“ zu seinem Landgut Guisachan.

Tweed Water Spaniel

Dort wurde „Nous“ 1868 zum ersten Mal Vater. Die Tweed Water Spaniel-Hündin „Belle“, deren Rasse heute ausgestorben ist, wurde von Sir Dudley als Deckpartner auserkoren.
Diese Hündin hatte Sir Dudley von seinem Neffen David Robertson aus Ladykirk am Tweed-Fluß erhalten. Tweed Water Spaniels sahen aus wie kleine Retriever, waren leberfarbig oder schwarz gestromt und hatten ein langes, gelocktes und wasserabweisendes Fell. Sie wurden als ausdauernde und wasserbegeisterte Apportierhunde beschrieben.
So wurden „Nous“ und „Belle“ die Stammeltern der „Yellows“, wie man sie damals einfach nannte.
Aus dem Wurf gingen vier gelbe Welpen hervor, die „Crocus“, „Ada“, „Primrose“ und „Cowslip“ genannt wurden. Sir Dudley behielt „Cowslip“ und „Primrose“, „Crocus“ wurde an Eward Marjoribanks abgegeben und „Ada“ an den Earl of Illchester, Sir Dudley`s Neffen.

Weiterer Verlauf

In den folgenden 20 Jahren kreuzte Sir Dudley die Nachkommen von „Nous“ und „Belle“ mit weiteren schwarzen Wavy Coated Retrievern, Tweed Water Spaniels und Irish Settern.

Um 1890 folgte eine Kreuzung mit einem sandfarbigen Bluthund, die jedoch nicht ins Zuchtregister des Lord Tweedmouth eingetragen und aller Wahrscheinlichkeit auch nicht weiter zur Zucht von Golden Retrievern verwendet wurde, da die Nachkommen zu groß und z.T. auch zu aggressiv gewesen sein sollen.
Die letzten zwei Welpen wurden 1889 in das Zuchtbuch von Sir Dudley eingetragen, „Prim“ und „Rose“.
1894 starb Sir Dudley Coutts Marjoribanks, Lord Tweedmouth.

Die Zucht mit den „Yellows“ allerdings ging weiter; die Population wuchs.
Die erste Eintragung der Rasse ins Zuchtbuch des Kennel Club of England (UKC) wurde 1903 unter der Bezeichnung „Flat-Coated Retriever“ vorgenommen.
Im Jahre 1913 wurde der Golden Retriever vom britischen Kennel Club als eigene Rasse anerkannt und gewann in der Folge v. a. in England und den USA rasch an Popularität. Etwa zu Beginn der 1980er-Jahre gewann die Rasse auch auf dem europäischen Kontinent an Beliebtheit, bis sie zu Beginn der 1990er-Jahre durch häufige Auftritte in Fernsehwerbung und Spielfilmen einen regelrechten Boom erfuhr. Heute zählen Hunde dieser wunderbaren Rasse zu den beliebtesten und nach den Welpenstatistiken der zuständigen Zuchtverbände auch häufigsten Rassehunden im angelsächsischen und deutschsprachigen Raum.

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